GP2 zu Besuch in Nigeria: Inbetriebnahme des ersten Molekularlabors für Parkinson-Genetik in Nigeria

März 19, 2026

Von Linda Senbanjo

Im Jahr 2019 startete das Global Parkinson’s Genetics Program (GP2), ein Förderprogramm der Initiative Aligning Science Across Parkinson’s (ASAP) mit einer ehrgeizigen Mission: der Kartierung der globalen Architektur von Morbus Parkinson. Viel zu lange gab es auf dieser Karte einen riesigen weißen Fleck – und zwar den afrikanischen Kontinent. Dies änderte sich 2023, als in der Forschung eine neue genetische Risikovariante für die Parkinson-Krankheit bei westafrikanischen Patient*innen identifiziert wurde, die bei Populationen europäischer Abstammung bislang unentdeckt geblieben war. Im Januar 2026 „schloss sich der Kreis“ für diese Entdeckung mit der offiziellen Inbetriebnahme des Molekularlabors für Parkinson-Forschung am GP2-College of Medicine University of Lagos (CMUL) an der Universität Lagos in Nigeria. Es handelt sich hierbei nicht nur ein neues Gebäude, sondern um das erste spezialisierte Molekularlabor dieser Art in Nigeria. Aus globaler Perspektive ist dies eine missionskritische Ressource. Sie ermöglicht nämlich die lokale Analyse vielfältiger genetischer Daten, die notwendig ist, um Durchbrüche zu erzielen, die bei einem eurozentrischen Modell übersehen würden.

Ein Meilenstein, mit dem sich ein „Kreis schließt“

Dieser Start markiert einen Wendepunkt für das GP2-Netzwerk, das derzeit 70 Länder und über 100.000 Studienteilnehmende umspannt. Durch die Verankerung dieser Hightech-Infrastruktur in einer nigerianischen akademischen Einrichtung von Weltklasse ermöglicht GP2 eine größere Repräsentativität bei der Entwicklung der nächsten Generation von Parkinson-Therapien und lässt „Präzisionsmedizin“ für Menschen allerorten zur Realität werden. Dr. Ekemini Riley, Mitglied der Gründungsgeschäftsführung von ASAP, bemerkt hierzu: „Dieses Labor zeigt, dass es möglich ist, ein Molekularlabor nach GP2-Standard aufzubauen, es mit lokalen Fachkräften zu besetzen und Weltklasse-Wissenschaft aus Westafrika heraus voranzutreiben. Die Parkinson-Krankheit ist nach wie vor unheilbar – es gibt lediglich Behandlungsmöglichkeiten für die Linderung der Symptome. Und um diese Lücke zu schließen, müssen wir den Blick in die Breite richten. Diversität sorgt für eine Skalierung bei den genetischen Entdeckungen: Mehr Populationen bedeuten mehr Varianten und mehr biologische Erkenntnisse. Die Varianten, mit denen die Wirkstoffziele von morgen erschlossen werden, könnten durchaus bei Populationen vorkommen, die noch nie systematisch untersucht wurden. Dieses Labor sorgt dafür, dass Westafrika nicht nur Empfänger, sondern auch Generator des wissenschaftlichen Fortschritts ist.“

Über das Labor: Schließung der Forschungslücke

Das Labor befindet sich im Kesington Adebukunola Adebutu Research Centre (KAARC). Sein Auftrag besteht darin, DNA von nigerianischen Patient*innen vor Ort zu extrahieren und zu analysieren, und so sicherzustellen, dass genetische Sequenzen westafrikanischer Abstammung nicht länger unterrepräsentiert sind, sondern vielmehr einen wesentlichen Beitrag zur globalen Forschung leisten.

Das Forschungsteam

Das Labor wird von Professorin Njideka Okubadejo geleitet. Sie ist Neurologin und Spezialistin für Bewegungsstörungen, Principal Investigator und eine der einflussreichsten Forscherinnen im Bereich Neurologie in Afrika. Ihr Weitblick, ihre Beharrlichkeit und ihre langjährigen internationalen Kooperationen waren entscheidend für den Aufbau der notwendigen Infrastruktur und die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit im Zusammenhang mit dem Start des Labors. Headshot/Portraitfoto Professorin Njideka Okubadejo Vorangetrieben wird die operative Einrichtung des Labors von Roosevelt Anyanwu, einem Molekularwissenschaftler, der als Leiter für Laborstruktur, Zertifizierung und Schulung fungiert und sich derzeit im Sabbatical befindet, um sicherzustellen, dass die Einrichtung voll funktionsfähig ist. Zum Team gehören Professorin Oluwadamilola „Lara“ Ojo, GP2-PhD-Trainee, Standort- und nationale Co-Leiterin für Forschungsadministration und klinische Studien, Professorin Francisca Nwaokorie, Leiterin für Biologika, Biobanking und Probenentnahme, sowie Dr. Dunni Olusanya, Neurologin, GP2-Trainee mit einem PhD in klinischer Pharmakologie und Standortforscherin – sämtlich von der Universität Lagos. Beiträge leisten ansonsten knapp 50 weitere Partner*innen (aus den Bereichen Neurologie, Grundlagenforschung der Neurowissenschaften, Forschungsprogramm-Administration und Forschungsassistenz), die dem Nigeria Parkinson’s Disease Research Network angehören.

Laborausstattung und Roadmap

Das Labor wurde gezielt mit Blick auf eine schrittweise Skalierung konzipiert. In der aktuellen Phase umfasst der Aufgabenbereich des Labors folgende Tätigkeiten: DNA-Extraktion, Qualitätsbewertung und Biobanking von biologischen Proben. Demnächst will das Team die Arbeit auf PCR-basierte Genotypisierung ausweiten und an genomweiten Assoziationsstudien mitwirken. Die langfristige Vision zielt auf den Aufbau einer vollständigen Next-Generation-Sequencing-Kapazität (NGS) ab, womit die gesamte Forschungspipeline von der Probe bis zur Sequenzierung innerhalb der Einrichtung konsolidiert wird. Alle Prozesse werden in Übereinstimmung mit internationalen Qualitätsstandards umgesetzt, um sicherzustellen, dass die hier generierten Daten den Anforderungen des globalen GP2-Netzwerks entsprechen. Wie Professorin Okubadejo erklärt, steht das Team voll und ganz hinter der Mission von ASAP. Des weiteren sorge der Aufbau einer Infrastruktur von Weltklasse vor Ort dafür, dass die Abwanderung von wissenschaftlichen Spitzenkräften gemindert wird, und diene als Vorbild für andere Fachbereiche der Universität.  Group image/Gruppenbild Offizielle Einweihung des Molekularlabors

Ausbildung der nächsten Forschergeneration

Eine zentrale Priorität des neuen Labors ist die Ausbildung. Studierende, die im Rahmen eines Rotationsprogramms im Labor tätig werden, erhalten Stipendien zur Unterstützung ihrer Mitwirkung, wodurch finanzielle Zugangshemmnisse beseitigt werden. Mittel- und langfristig sollen laut Planung des Teams formelle Ausbildungs- und Kapazitätsaufbauprogramme für Forschende und Nachwuchsforschende in diesem Bereich ausgeweitet und das Labor als Drehscheibe für die wissenschaftliche Entwicklung in Nigeria positioniert werden. In diesem Engagement für die Ausbildung spiegelt sich die übergeordnete Mission von GP2 wider. Engpässe bestehen in Nigeria nicht bei der Menge an Talenten, wie die Leitung der CMUL feststellt, sondern vielmehr bei den Grundlagen und den Möglichkeiten. Mit dem neuen Labor wird beides geschaffen.

Schlussgedanken

Zur Eröffnung des Labors kamen Führungskräfte der Universität Lagos und der CMUL sowie nigerianische Kliniker*innen, Wissenschaftler*innen und wichtige Partner*innen zusammen. Zu den namhaften Teilnehmenden zählen Mitglieder von Parkinson’s Africa, der Adewunmi Desalu Parkinson’s Disease Foundation und der Coalition for Aligning Science (CAS), welche für das Management der ASAP-Initiative verantwortlich zeichnet. Die Teilnehmenden konnten aus erster Hand miterleben, auf welche Weise die globale Mission von GP2 sich in einer lokal verankerten wissenschaftlichen Infrastruktur niederschlägt. Das neue GP2-CMUL-Molekularlabor für Parkinson-Forschung ist das Ergebnis des jahrelangen Engagements von Professorin Okubadejo und ihrem Team. Sie haben die Kapazitäten, die Glaubwürdigkeit und die Kooperationsnetzwerke aufgebaut, dank derer diese Einrichtung schlussendlich Wirklichkeit wurde. Das Team ist stolz darauf, dass dieses Labor in Lagos angesiedelt wurde, und hofft, dass es als Vorbild dienen und in Nigeria und auf dem gesamten Kontinent Nachahmung finden wird. Mit dieser wichtigen Infrastruktur wird der Weg zu schnelleren Forschungserfolgen – und letztendlich zur Heilung der Parkinson-Krankheit – für alle klarer vorgezeichnet. Teilnehmende des Seminars im Vorfeld zur Inbetriebnahme, wichtige Mitglieder der Universitätsleitung und der CAS