{"id":50025535,"date":"2022-04-28T05:28:45","date_gmt":"2022-04-28T09:28:45","guid":{"rendered":"https:\/\/gp2stg.wpenginepowered.com\/surgicogenomics-und-personen-mit-gba-mutationen\/"},"modified":"2024-11-13T22:34:30","modified_gmt":"2024-11-14T03:34:30","slug":"surgicogenomics-und-personen-mit-gba-mutationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gp2.org\/de\/surgicogenomics-und-personen-mit-gba-mutationen\/","title":{"rendered":"<i>Surgicogenomics <\/i>und Personen mit GBA-Mutationen"},"content":{"rendered":"<p><i><span style=\"font-weight: 400;\"><i>Surgicogenomics<\/i><\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> bezeichnet die Nutzung genetischer Informationen \u00fcber einen Patienten als Prognoseindikator f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung von Operationsergebnissen. In der Praxis k\u00f6nnte dies hilfreich sein, wenn es darum geht, welche chirurgischen Eingriffe bei welchen Patient*innen durchgef\u00fchrt werden sollten bzw. an welcher Stelle im Gehirn diese am sinnvollsten sein k\u00f6nnten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Beim International Parkinson\u2019s Disease Genomics Consortium (IPDGC) im vergangenen Januar verwendete ich den Ausdruck <i>Surgicogenomics <\/i>im Zusammenhang mit verschiedenen Behandlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Parkinson-Krankheit \u2013 in der Annahme, dass dieser Begriff bereits allen vertraut sei. Ich war dann etwas \u00fcberrascht, als ich feststellte, dass nur wenige dieses Wort schon einmal geh\u00f6rt hatten. Das schien mir einigerma\u00dfen erstaunlich, zumal einige der Anwesenden zur Avantgarde auf dem Gebiet der Genetik z\u00e4hlten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nachdem ich ein wenig nachgeforscht und herumgefragt hatte, wurde mir klar, dass es vielleicht doch nicht so merkw\u00fcrdig war. Soweit ich es nachvollziehen konnte, wurde der Begriff zum ersten Mal im Jahr 2014 in <\/span><strong><a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC4026306\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Manuskript<\/a><\/strong><span style=\"font-weight: 400;\"> von Marlys H. Witte verwendet. Erste Nennungen im Bereich der Neurologie finden sich aber tats\u00e4chlich just in diesem Jahr bei meinem Neurologen Dr. Alfonso Fasano in meiner Heimatstadt am <\/span><strong><a href=\"https:\/\/www.uhn.ca\/OurHospitals\/TWH\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Toronto Western Hospital<\/a><\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">, nachzulesen <\/span><strong><a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/34602499\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a><\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe mich an Alfonso gewandt und ihn gebeten, mir und den Lesern, die ich erreiche, dabei zu helfen, den Begriff zu erl\u00e4utern.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/europepmc.org\/article\/med\/34984729\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00fcrzlich<\/a> <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/34602499\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wurde<\/a><\/strong> <span style=\"font-weight: 400;\">berichtet,<\/span> <span style=\"font-weight: 400;\">dass<\/span> <i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> Bei Tr\u00e4gern der Parkinson-Krankheit, denen eine Tiefe Hirnstimulation (DBS) in den Nucleus subthalamicus (STN) implantiert wird, kann es aufgrund der Operation zu einem schnelleren Abbau der kognitiven F\u00e4higkeiten kommen. Es folgt eine Zusammenfassung dessen, was ich dank Dr. Alfonso Fasano \u00fcber die Bedeutung von <i>Surgicoeconomics <\/i>f\u00fcr Menschen mit Parkinson-Diagnose, insbesondere mit Mutationen im <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">-Gen<\/span>, gelernt habe.<\/p>\n<h3><b>F: Welche Hinweise gibt es darauf, dass die Implantation eines THS-Systems in den Nucleus subthalamicus bei Tr\u00e4gern von GBA-Mutationen zu Verschlechterungen f\u00fchren kann?<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die \u00dcberlegung, dass Patient*innen mit pathologischen<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">-Varianten zu labil f\u00fcr eine THS des STN bzw. eventuell geeignetere Kandidaten f\u00fcr eine THS im Globus pallidus pars interna (GPi) sein k\u00f6nnten, ist nicht neu und wurde schon im Rahmen verschiedener Veranstaltungen und \u00dcbersichtsarbeiten diskutiert. So wurde etwa beobachtet, dass es Patient*innen mit <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">-Varianten zwar anfangs gut geht, es aber im sp\u00e4teren Verlauf zu einer Verschlechterung im Vergleich zu anderen THS-Patient*innen kommt. Allerdings gibt es keine Studien, in denen die Verl\u00e4ufe dieser Patient*innen mit den Verl\u00e4ufen von Patient*innen mit <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">-Varianten ohne THS verglichen werden. In einer <\/span><strong><a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/34984729\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neuen Studie<\/a><\/strong><span style=\"font-weight: 400;\">, die k\u00fcrzlich in <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Annals of Neurology<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> erschienen ist, wird versucht, diese wissenschaftliche Fragestellung zu behandeln.<\/span><\/p>\n<h3><b>F: Sollte diese Erkenntnis sich unmittelbar auf die klinische Praxis bei Tr\u00e4gern von GBA-Mutationen auswirken?<\/b><\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist nicht so einfach zu beantworten. Erstens sind nicht alle pathologischen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">-Varianten gleich zu bewerten. Offensichtlich sind manche Mutationen schlimmer als andere. Zweitens k\u00f6nnen kognitive Beeintr\u00e4chtigungen bei THS des STN durch eine Reihe von anderen, weniger kontrollierbaren Faktoren verursacht werden, so etwa die Platzierung der Kabel. Es wurde mitunter auch behauptet, dass das Eindringen der Elektrode in den Nucleus caudatus, um zum STN zu gelangen, tats\u00e4chlich zu kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Aber das, wo wir hin m\u00fcssen, ist die \u201ePr\u00e4zisionsmedizin\u201c. Und <i>Surgicogenomics<\/i> bedeutet einen Schritt in Richtung personalisierter Medizin. Nach diesem Ansatz konzentriert man sich nicht auf einzelne Gene. Vielmehr wird die Gesamtheit genetischer Variationen in den Blick genommen \u2013 auch diejenigen, die einfach als Polymorphismen betrachtet werden. So haben wir beispielsweise in unseren Studien herausgefunden, dass bei den meisten Personen, deren Mobilit\u00e4t sich nach THS des STN verschlechtert hat, Variationen in vier Genen (<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">CRHR1, IP6K2, PRSS3 und SH3GL2<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">) vorlagen, die haupts\u00e4chlich mit neuroinflammatorischen Reaktionen in Verbindung stehen. Interessanterweise ist keines der klassischen PD-Gene (einschlie\u00dflich<\/span> <i><span style=\"font-weight: 400;\">LRRK2, PRKN und SNCA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> ) hat eine solche Reaktion vorhergesagt. Was wir wissen wollen, ist, ob wir uns entscheiden, die klinische Praxis zu \u00e4ndern, basierend auf der<\/span> <i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> Status eines Patienten, welche Behandlungsoption sollten wir w\u00e4hlen. Sollten wir k\u00fcnftig etwa eine THS im GPi oder sogar eine Levodopa-Darmgel-Infusion vornehmen? Oder weder noch?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Toronto Western Hospital sind wir dabei, unsere Patienten retrospektiv zu untersuchen, um zu sehen, ob GPi-DBS-Patienten mit<\/span> <i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> Mutationen schnitten besser ab als ihre STN-Gegenst\u00fccke. Dadurch sollten wir in unserem Fachgebiet konkretere Informationen erhalten, mit denen wir weiter arbeiten und Behandlungsm\u00f6glichkeiten besser personalisieren k\u00f6nnen.\u00a0 Professor Alberto Espay (ein Absolvent der University of Toronto) erinnert uns h\u00e4ufig daran: Wir sollten den Blick darauf richten, wer f\u00fcr welche verf\u00fcgbare Behandlungsm\u00f6glichkeit besser geeignet ist. Wir meinen, diese Devise sollte im gesamten Parkinson-Bereich gelten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mehr dazu demn\u00e4chst an dieser Stelle.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benjamin Stecher und Alfonso Fasano er\u00f6rtern, inwiefern genetische Informationen als Prognoseindikator f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung von Operationsergebnissen relevant sein k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":50019598,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-50025535","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","post-type-blog-de","topic-genetik-komplexer-krankheit-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50025535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50025535"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50025535\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50019598"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50025535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}