{"id":50011808,"date":"2020-12-02T23:51:15","date_gmt":"2020-12-03T04:51:15","guid":{"rendered":"https:\/\/gp2stg.wpenginepowered.com\/die-genetik-der-parkinson-krankheit-ursache-risiko-schutz\/"},"modified":"2024-11-13T22:33:51","modified_gmt":"2024-11-14T03:33:51","slug":"die-genetik-der-parkinson-krankheit-ursache-risiko-schutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gp2.org\/de\/die-genetik-der-parkinson-krankheit-ursache-risiko-schutz\/","title":{"rendered":"Die Genetik der Parkinson-Krankheit: Ursache, Risiko, Schutz?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Juni\u00a01996, Hofburg, Wien \u2013 Veranstaltungsort des j\u00e4hrlichen Weltkongresses der International Parkinson and Movement Disorder Society. Professor L.\u00a0Golbe pr\u00e4sentiert dem staunenden Publikum Fotos aus der sch\u00f6nen Region Kampanien in S\u00fcditalien, wo er und seine Kolleg*innen gerade einen gro\u00dfen Stammbaum mit zahlreichen an Morbus Parkinson erkrankten Mitgliedern identifiziert haben \u2013 die sogenannte &#8222;Contursi-Verwandtschaft&#8220;. Zu einer Zeit, als die Parkinson-Krankheit zumeist als Lehrbuchbeispiel f\u00fcr eine umweltbedingte Krankheit angesehen wurde, war der Gedanke, dass Parkinson genetischen Ursprungs sein sollte, schlicht revolution\u00e4r. Und f\u00fcr mich, die ich erstmals an einem internationalen Kongress teilnahm, wurde klar, dass ich in meiner zuk\u00fcnftigen Karriere einen Beitrag zur Entschl\u00fcsselung der genetischen Grundlagen von Parkinson leisten wollte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In rascher Folge wurden die ersten Gene f\u00fcr dominant und rezessiv vererbte Formen der Parkinson-Krankheit identifiziert: Alpha-Synuclein 1997 bei der Contursi-Familie und nur ein Jahr sp\u00e4ter Parkin in Familien mit sehr fr\u00fchem Krankheitsausbruch in Japan. Danach wurden weitere und mittlerweile gut belegte Gene entdeckt, die Parkinson verursachen k\u00f6nnen, wenn sie mutiert sind (<\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">LRRK2<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">VPS35<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">PINK1<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">DJ-1<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">). Entdeckt wurde auch einer Reihe weiterer Kandidatengene, bei denen die Best\u00e4tigung derzeit noch aussteht.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Eine entscheidende Entwicklung ist die Identifizierung genetischer Faktoren mit deutlich geringerer Wirkungsst\u00e4rke, die das Risiko f\u00fcr die Entwicklung von Parkinson erh\u00f6hen, jedoch nicht per se urs\u00e4chlich sind. Das gr\u00f6\u00dfte bekannte Risiko besteht hierbei durch seltene pathogene Varianten beim <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">GBA<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">-Gen. Interessanterweise wurden h\u00e4ufige genetische Varianten, die das Risiko f\u00fcr Parkinson erh\u00f6hen, auch bei Genen gefunden, die zuvor als <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">urs\u00e4chlich<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> f\u00fcr Parkinson ermittelt wurden, wenn sie seltene sch\u00e4dliche Mutationen aufweisen. Das prominenteste Beispiel hierf\u00fcr ist das Alpha-Synuclein-Gen. Seitdem ist man im Forschungsfeld von der Bewertung einzelner Gen-Risikovarianten auf die Erstellung von polygenen Risikoscores \u00fcbergegangen, wobei die neuesten fast 2.000\u00a0individuelle genetische Varianten umfassen, die dann verwendet werden k\u00f6nnen, um Parkinson-Patient*innen in \u201eRisikoquartile\u201c mit Abstufungen zwischen hohem und niedrigem genetischen Risiko einzuteilen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Alle derzeit bekannten Parkinson-Gene wurden in verschiedenen Populationen rund um den Globus gefunden. Einige treten jedoch mit sehr variabler und populationsspezifischer H\u00e4ufigkeit auf. Das auff\u00e4lligste Beispiel ist die p.G2019S-Mutation im <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">LRRK2-<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">Gen. Dar\u00fcber hinaus ist es denkbar, dass es populationsspezifische erbliche Parkinson-Formen gibt, wie etwa den X-chromosomal vererbten Dystonie-Parkinsonismus, der ausschlie\u00dflich bei Patienten philippinischer Abstammung auftritt und f\u00fcr den sowohl die zugrunde liegende genetische Ursache als auch genetische Modifikatoren des Eintrittsalters identifiziert wurden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Genetik hat Antworten auf zahlreiche Fragen zur Pathophysiologie von Morbus Parkinson geliefert, und die ersten auf Gene abzielenden Behandlungen werden derzeit in klinischen Studien getestet. Dennoch gibt es nach wie vor viele ungel\u00f6ste Fragen. Eine der faszinierendsten Fragestellungen ist f\u00fcr mich das Ph\u00e4nomen der reduzierten Penetranz. Es ist gut dokumentiert, insbesondere bei dominant vererbtem Morbus Parkinson, dass ein Bruchteil der Mutationstr\u00e4ger krankheitsfrei bleibt oder erst sehr sp\u00e4t im Leben erste Anzeichen entwickelt. Solche (genetischen) Faktoren des endogenen Krankheitsschutzes aufzukl\u00e4ren und, wenn m\u00f6glich, zu verst\u00e4rken, ist ein weiterer spannender Ansatzpunkt f\u00fcr die Parkinson-Forschung der kommenden Jahre. Und GP2 bietet hierf\u00fcr das ideale Forschungsumfeld. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christine Klein leitet den GP2 Monogenic Hub. In diesem Beitrag berichtet Christine, wie ihr Interesse an der Genetik der Parkinson-Krankheit geweckt wurde, welche Gene bisher entdeckt wurden und welche Fragen nach wie vor unbeantwortet sind.<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":50019550,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-50011808","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","post-type-blog-de","topic-genetik-monogener-erkrankungen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50011808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50011808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50011808\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50019550"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gp2.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50011808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}